Nachhaltig elegantes Webdesign und umweltfreundliche Webentwicklung

Ingo Steinke
3 min readMar 6, 2024

Webseiten gleichermaßen schön und nützlich zu gestalten, ist eine Kunst. Viele versuchen sich einfacherweise auf das eine oder das andere zu konzentrieren, nicht wenige scheitern an beidem! Als Webentwickler liebe ich die Herausforderung, Eleganz und Schönheit mit Barrierefreiheit, Umwelt- und Datenschutz zu verbinden. Die Websiteentwicklung für Kleiderordnung ist ein einfaches Beispiel für eine solche Synergie: Pastellfarben dominieren die Farbgestaltung, dennoch hat der Text überall einen gut lesbaren Kontrast. Auf Animationen, Instagram und Video würden manche Minimalisten am liebsten gänzlich verzichten („Boring Webdesign„-Bewegung), aber wie man sieht, ist es machbar, solche Design-Anforderungen umzusetzen ohne massive Datenmengen durchs Netz zu schleudern. Tatsächlich ist es auch möglich, das alles zu erreichen und überdies DSGVO-konform zu arbeiten, ohne eine Seite mit unschönen Cookie-Bannern zu verschandeln.

Dieser Artikel basiert auf einem ähnlichen Blogbeitrag bei Open Mind Culture (Nachhaltig elegantes Webdesign 2024/2025) und ist mein erster deutschsprachiger Beitrag hier auf Medium.

Ich bin Ingo Steinke, nachhaltiger Webentwickler mit inzwischen weit über 20 Jahren Berufserfahrung, und ich blogge gelegentlich hier und da über Themen, die mich beruflich und privat interessieren, unter anderem die Frage, wie wir Webseiten klimafreundlich und barrierefrei optimieren können.

DevUX als ganzheitliches Webdesign

Unter nachhaltigem elegantem Webdesign verstehe ich im weiteren Sinne sowohl das Design (Konzeption, Grafik, UX, UI) als auch die Umsetzung (Softwarearchitektur, Technologieauswahl, Programmierung und Qualitätssicherung). Wichtig ist aber auch, die zeitweise sehr starke Trennung von Design und Entwicklung zu durchbrechen und von Anfang an enger zusammenzuarbeiten (“DevUX”). Unbewegte Vorschauseiten mit Blindtexten zu erstellen, um sie dann an ein anderes Team zu übergeben erscheint mir als Relikt aus Zeiten von Buchdruck und Laufburschen und als vermeidbare Quelle von Missverständnissen und Unzufriedenheit.

Auch wenn das geplante nachhaltige Lieferkettengesetz Anfang 2024 zunächst gescheitert ist, traurigerweise nicht zuletzt wegen der Bemühungen der kleinsten Partei der derzeitigen deutschen Regierungskoalition, die die Chancen von Ökologie, Gemeinwohl und fairem Welthandel scheinbar noch nicht ganz verstanden hat. Langfristig wird sich Ignoranz gegenüber Nachhaltigkeitsthemen jedoch nicht auszahlen, wenn größere Teile der Generation Z nicht nur anders arbeiten, sondern auch anders konsumieren möchte und entsprechend kritisch die Websites von Firmen und Online-Shops prüfen wird. Schließlich ist es kein Zufall, dass den internationalen Nachhaltigkeitszielen (SDG) in allen Branchen immer größere Bedeutung beimessen wird, teilweise eben auch ohne zwingende gesetzliche Vorgaben.

Mit dem European Accessibility Act (EAA) kommt 2025 eine umfassende Pflicht zur Barrierefreiheit für europäische Webseiten, wie sie ähnlich bereits jetzt für kommerzielle und öffentlich Anbieter:innen in den USA gilt. Messbare Kriterien werden sich an den WCAG-Richtlinien orientieren. Die ökologische Web-Optimierung versuchen derweil manche unter dem neuen Schlagwort “SustyWeb” zusammenfassen, was als Abkürzung von “sustainable web” sinngemäß die ökologisch und ethisch nachhaltige Webentwicklung bedeutet.

Anleitungen und zur nachhaltigen Webentwicklung habe ich schon früher an verschiedenen Stellen veröffentlicht. Dieser Artikel soll ganz konkret auf die rechtlichen Veränderungen hinweisen, die uns als Kreative und Webentwickler:innen ab 2024 betreffen werden, wie immer mit dem Hinweis, dass ich kein Jurist bin und dies daher nicht als Rechtsberatung zu verstehen ist. Bitte fragt eine Anwältin oder einen Anwalt eures Vertrauens, wie die rechtliche Lage konkret für euch und eure Kundschaft zu verstehen ist!

Ich hoffe jedenfalls, dass die neuen Gesetze nicht zu einer ähnlichen Verschlimmbesserung führen wie die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die eine gut gemeinten Datenschutzinitiative in eine bürokratische Absurdität verwandelte, die uns scheinbar zwingt, beim ersten Aufruf einer Webseite zunächst den eigentlichen Inhalt mit einem Hinweisschild voller Kleingedrucktem zu verdecken um die Besucher:innen zur Zustimmung ungelesener Verzichtserklärungen zu nötigen. Dass es auch anders geht, habe ich wie gesagt schon mehrfach beschrieben und bewiesen.

Mein Optimismus ist also nicht unbegründet, zudem hat sich in den letzten Jahren auch einiges sehr positiv in der Web-Szene getan. Grünes Webhosting mit Ökostrom, Datensparsamkeit und bessere User Experience werden von bekannten Auditing-Tools wie Pagespeed/Lighthouse, Webpagetest honoriert. Ecograder, WebsiteCarbon und die Green Software Foundation können derweil mit strengeren und spezifischeren Messungen neue Maßstäbe setzen. Accessibility-Audits mit axe und WAVE warnen zumindest vor eklatanten Verstößen gegen die WCAG-Vorgaben.

Während die neuen Möglichkeiten von vielen Kreativen und Entwickler:innen noch weitgehend ignoriert werden, erforschen andere sie umso intensiver und teilen ihre Erfahrung in inspirierenden Vorträgen und Workshops, beispielsweise bei den beyond Tellerrand Konferenzen.

Anstelle einer umfassenden Sammlung nützlicher Links zum Thema, die dennoch als Ausgangspunkt für eigene Recherchen dienen sollten, verlinke ich zunächst mal meinen englischsprachigen DEV-Artikel zum gleichen Thema: Accessibility, SustyWeb, SDGs, and upcoming European Legislation in 2024/2025

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Ingo Steinke

Sustainable Creative Web Developer in Germany. Helping to build a fast and friendly, accessible, ethical and ecological word wide web.